­«Seit 33 Jahren im ALT – ein persönlicher Einblick und Rückblick»

Im Interview: Julia Engi im Gespräch mit Gabriella Weidmann, Cheflaborantin Veterinärdiagnostik

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Fragen zur Person

Julia Engi: Liebe Gabriella, erzähle mir in wenigen Worten wer du bist.

Ich wohne in Filisur, bin 61 Jahre alt und hatte in meinem Leben das grosse Glück einen Beruf erlernen zu dürfen, der mir noch bis heute grosse Freude bereitet und den ich mit voller Leidenschaft ausübe.

Du bist Biologielaborantin, wie bist du zu diesem Beruf gekommen?

Ich bin schon immer ein sehr naturverbundener Typ und habe grosse Freude an und in der Natur. Vor allem die Tiere haben es mir angetan. Schon in der Schule mochte ich das Fach «Biologie». Als ich 1979 in die Lehre gekommen bin, gab es den Beruf «Biologielaborantin», aber diese Ausbildung konnte man nur im Spital erlernen, also in der Humanmedizin. Ich habe meine Lehre damals im Kantonsspital Graubünden absolviert. Danach wechselte ich in die Thurgauer Höhenklinik nach Davos und später ins Spital Frutigen BE. In Frutigen konnte ich die Laborleitung übernehmen und so weitere wertvolle Berufserfahrungen sammeln. Es war eine schöne und anstrengende Arbeit. Es fiel mir schwer neue Kontakte zu knüpfen und ich bekam fürchterliches Heimweh nach dem Bündnerland. So fasste ich den Entschluss «ich möchte wieder zurück» und wie es der Zufall wollte, war die Stelle als Cheflaborantin in der Veterinärdiagnositk beim damaligen Veterinäramt Graubünden, ausgeschrieben. Ich bekam die Stelle im 1991.

Du wohnst in Filisur. Pendelst du täglich nach Chur zur Arbeit oder ist auch das Arbeiten im Homeoffice für dich eine Option?

Das Mikroskop mit nach Hause nehmen oder den Sektionstisch mit dem toten Kalb transportieren, nein das geht nicht. Lange bin ich täglich von Filisur nach Chur gependelt. In der Zwischenzeit habe ich mir den Luxus einer kleinen Wohnung in Chur gegönnt, wohne unter der Woche hier und geniesse so auch noch die Annehmlichkeiten der Stadt. Die ersten 15 Jahre habe ich in der schönen Churer Altstadt gelebt. Erst im 2006 bin ich nach Filisur, ins ehemalige Ferienhaus meiner Eltern gezogen.

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Gabriellas Hobby

Arbeitsalltag

Du bist Cheflaborantin im Veterinärdiagnostik Labor. Ist das dein Traumjob?

Ja, ich bin sehr glücklich, dass ich diesen Job vor 33 Jahren erhalten habe. Es ist eine tolle und abwechslungsreiche Arbeit. Immer wieder gibt es neue Krankheitserreger und neue Methoden und Geräte, um diese nachzuweisen. Man kann nicht stehenbleiben, muss sich ständig weiterentwickeln.

Erzähl mir, was machst du eigentlich den ganzen Tag im Labor?

Unser Labor macht hauptsächlich Analysen für die Tierseuchenüberwachung und Tiergesundheit. Es gibt unter anderem kantonale und nationale Überwachungsprogramme, die vorgeben nach welchen Krankheiten gesucht werden muss. Blut-, Tupfer-, Gewebe-, Kotproben oder auch tote Tiere kommen in unser Labor und werden hier untersucht. Auch machen wir bakteriologische Untersuchungen, wie zum Beispiel die Untersuchung von Hühnerkot auf Salmonellen und die Hygienekontrollen von Schlachtbetrieben. Wir bieten auch molekularbio- und parasitologische Untersuchgen an. Der grosse Peak bei uns im Labor ist immer im Frühling, bevor die Tiere für die Sömmerung auf die Alpen gehen, dann stehen die meisten Analysen an.

Bei euch im Labor gibt es einen Sektionsraum. Was für Tiere landen bei euch auf dem «Tisch»?

Das ist ein sehr spannender Teil meiner Arbeit. Obwohl die Sektion eine Tierärztin oder ein Tierarzt durchführt, assistiere ich liebend gerne und fühle mich oft wie ein Detektiv bei der Arbeit. Eine der speziellsten Sektionen war die einer Python – diese war an einer Lungenentzündung gestorben. Meistens sind es aber Nutztiere, wie Rinder, Schafe und Ziegen oder auch Haustiere, wie Hunde und Katzen aber auch Wildtiere, welche bei uns seziert werden. Könnte ich wählen, würde ich gerne einmal bei der Sektion von einem Steinadler oder Gänsegeier dabei sein.

Wer sind denn eigentlich eure Kunden?

Die Hauptkunden und Auftraggeber sind der Bund und die Kantone. Dazu kommen Aufträge von Privatpersonen für deren Haus- und Nutztiere.

Steckbrief

Gabriella Weidmann, Cheflaborantin Veterinärdiagnostik

Gabriella Weidmann

Wohnort: Filisur

Geburtsjahr: 1963

Werdegang: Biologielaborantin, Lehrmeisterin.

Berufsbezeichnung: Biologielaborantin

Sprachen: Italienisch und Englisch (umgangssprachlich). Mit Kunden werden teilweise Gespräche in Italienisch geführt. Englisch wird immer wieder gebraucht für das Lesen von Fachberichten oder Betriebs­anleitungen von Geräten

Hobbys: Leidenschaftliche Vögel- und Wildtierbeobachterin, Natur und Berge

Haustiere: Leider noch keines – sobald ich pensioniert bin wird es ein altes Kätzchen sein, das zu faul ist, Vögel zu jagen. Die Vögel und Eichhörnchen welche rund ums Haus an meine Futterstationen kommen, zählen fast zu meinen Haustieren.

Zukunftspläne: In Filisur die Natur geniessen und glücklich sein.

Tick: Sammlerin «das kann man irgendwie noch gebrauchen»

33 Jahre im Veterinärlabor

Du bist eine treue Seele und seit wahnsinnigen 33 Jahren im ALT tätig. Wer oder was inspiriert dich?

Biologie ist eine sehr faszinierende Materie, ich kann es selber kaum glauben, dass es schon 33 Jahre sind. Ich könnte mir für mich, keinen anderen Beruf vorstellen.

Jetzt kannst du die Katze aus dem Sack lassen und uns einige Anekdoten aus den letzten 33 Jahren erzählen.

Bei einer parasitologischen Kotuntersuchung eines Golden Retriever Welpen fand ich zufällig einen kleinen Diamant Ohrstecker, den der Welpe gefressen hatte. Die Besitzerin des Hundes hatte ihn schon vermisst.

Einmal brachte ein Churer Tierarzt Proben ins Labor – dies war noch im alten Labor an der Planaterrastrasse – ich habe die Proben angenommen und noch übers Fenster über dies und das geplaudert. Dann drehte sich der Tierarzt um und in dem Moment bemerkten wir, dass in der Zwischenzeit, hinter seinem Rücken, sein Auto geklaut wurde.

Im Labor im Hofgraben war es früher noch erlaubt den eigenen Hund mitzubringen. Wir hatten ein kleines Büro mit Computer und Kaffeemaschine, da durfte der Hund dann bleiben. Eines Tages konnten wir Tino nicht mehr finden, der Kerl hatte sich in den Sektionsraum geschlichen und alle Nachgeburtsuntersuchungen gefressen. Gottlob hatten wir sie bereits untersucht.

Gibt es etwas, auf das du besonders stolz zurückblickst?

Ich würde sagen, als ich die ersten paar Jahre neu im Veterinäramt und alleine fürs Labor verantwortlich war. Ja auf das bin ich stolz. Damals habe mich an anderen grossen Labors orientiert und neue Methoden eingeführt.

Was möchtest du noch erleben?

Im Rahmen eines Gesundheitsmonitorings Wildtiere auf spezielle Krankheiten oder Seuchen untersuchen.

Botschaft

Welche wichtige Botschaft möchtest du uns mit auf den Weg geben?

«Man muss ja sowieso denken, wieso dann nicht gleich positiv»

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